Kategorie: ‘Essen’

Garten-Rakete auf der Pizza

Garten-Rakete auf der Pizza
Freitag, Juni 11th, 2010

Keine Frage, in Italien gibt es leckere Pizzas, auch Pizzen genannt. Die Herausforderung bei der Übersetzung von Speisekarten besteht immer darin, etwaige lokaltypische Zutaten und Speisen so zu vermitteln, dass die Touristin sich halbwegs was darunter vorstellen kann und dass das Ganze so appetitlich klingt, dass sie es bestellt. Hier in Triest ist dies weniger gut gelungen, da sich, wenn ich das richtig interpretiere, der Rucola in “garden roccket” verwandelt. Wie eine Salatart zu einer Garten-Rakete wird, kann ich nicht nachvollziehen. Ziemlich lustig und wenig appetitanregend ist es allemal. Rucola heißt auf Englisch übrigens “arugula”.

Vielen Dank an Schwesterherz Judith Jenner für diesen Fund. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Judenohr-Saft aus China

Judenohr-Saft aus China
Sonntag, Mai 30th, 2010

Diese Dose hat, wie eine sprachkundige Einheimische bestätigte, mit Religion überhaupt nichts am Hut, sondern enthält vielmehr Mu’Er-Pilzsaft. Von Juden ist in der chinesischen Aufschrift keine Rede. Durch die oft undurchschaubaren Wege der “Übelsetzung” darf sich die sprachunkundige Westlerin dann aber eben auf “Judenohr-Saft” freuen – und ist peinlich berührt.

Vielen Dank für diesen Leckerbissen an FJS.

Zum Vergrößern wie immer einfach klicken.

The My Pizza

The My Pizza
Dienstag, April 20th, 2010

In dieser Pizzeria in Venedig bekommt man zur Pizza des Hauses gleich noch eine übersetzerische Glanzleistung gratis serviert. Noch beunruhigender als “the my pizza” ist jedoch die folgende “Maine Pizza”, obwohl hier keine Stringenz bei der “Übelsetzung” zu beobachten ist (das wäre “die meine Pizza”).

Vielen Dank auch für dieses Foto an Franziska Riedler.

Das Wiener Wadenschnitzel

Das Wiener Wadenschnitzel
Mittwoch, Februar 24th, 2010

Die Übersetzung von Fleischsorten bereitet immer wieder Probleme – das liegt daran, dass im Englischen das Fleisch meistens anders heißt als das Tier, von dem es stammt, also etwa das pig oder hog liefert das Fleisch pork. Beim Kalbfleisch verhält es sich folgendermaßen: Kalb heißt calf und meint das Junge von diversen Tieren, besonders von der Kuh, aber etwa auch vom Hirschen und vom Elefanten. Wird ein Junges (meistens von der Kuh) aber zum Verzehr aufgezogen (so hässlich das jetzt klingt), heißt es auf Englisch veal oder auch vealer. Und das Fleisch davon heißt veal. Wird also fälschlicherweise calf für Kalbfleisch verwendet, kommt erschwerend hinzu, dass bei der Rückübersetzung dann Wadenschnitzel rauskommen kann, weil calf im anatomischen Sinne Wade bedeutet. Hier sieht frau wieder mal sehr schön, wie viel Fehlerpotenzial ein einziges Wort bietet.

Gesehen von Susanne Lenhart in Wien. Zum Vergrößern wie immer klicken.

Der Rock’n’ Roll der Süßspeisen in Bratislava

Der Rock’n’ Roll der Süßspeisen in Bratislava
Samstag, Februar 20th, 2010

Das Problem bei der Übersetzung von Speisekarten ist, dass oft regionale Spezialitäten, für die es keine Entsprechung in anderen Sprachen gibt, so in die andere Sprache übertragen werden sollen, dass sie zumindest beim Gast Appetit dafür erwecken. Genau das ist bei “Kartoffelnteigplatschinke”, abgesehen von den lustigen fehlenden Buchstaben, nicht gelungen. Ein Palatschinken ist in meinem Verständnis was Süßes – wie passt das also mit Kartoffelteig zusammen? Das Ganze klingt also leider alles andere als appetitlich. Wer mutig ist, bestellt das Gericht trotzdem.

Der darüber stehende “Eingelegte Enzian” ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhang von Sprache und Kultur. Ad hoc fragt sich die Besucherin, ob der Enzian nicht auch in der Slowakei unter Naturschutz steht. Nach Rücksprache mit einer Freundin stellt sich heraus, dass Enzian die Marke eines sehr bekannten Schimmelkäses ist, der auf eine bestimmte Art zubereitet wird, nämlich eingelegt. Hier gibt es also mitnichten illegalerweise seltene Blumen zu essen, sondern Käse (was zumindest im Englischen, aber nicht im Deutschen erklärt wird). In diesem Sinne: guten Appetit!

Herzlichen Dank für diesen Beitrag an Franziska Riedler, in deren Ohren erstere Übersetzung wie der “Rock ‘n’ Roll der Süßspeisen” klang.


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