Kategorie: ‘Sonstiges’

Der feine Unterschied …

Der feine Unterschied …
Samstag, Juli 10th, 2010

… zwischen einer mittelmäßigen und einer richtig gelungenen Übersetzung zeigt sich hier am Beispiel des Tennisschläger-Herstellers Wilson. Auf meinem neuen Schläger (vielen lieben Dank an mein Schwesterherz!) prangt eine Information in mehreren Sprachen.  Der englische Text klingt so richtig gut: “Number 1 in Tennis. Wilson is the #1 name in tennis, because we design rackets that improve the way you play. For almost 100 years, our reputation for quality and innovation has been unmatched. Play Wilson. The right equipment does make a difference.”

Weniger überzeugend wird es im Deutschen, wo schon in der Überschrift der bestimmte Artikel fehlt: “Nummer 1 im Tennis”. Während im Englischen von knapp 100 Jahren die Rede ist, lesen wir bei den Übersetzungen von “mehr als” (anstatt “über”) 94 Jahren. Kommt zwar aufs Gleiche raus, ist aber ein wenig irritierend. “Wilson ist die erste Adresse” im Tennis klingt holprig, weil sich diese Formulierung in der Regel auf eine tatsächliche Adresse, also einen Laden o. Ä. bezieht.  “… unser Ansehen für Qualität und Innovation [ist] unvergleichlich” ist viel zu direkt übersetzt und nicht wirklich Deutsch. “Spiel Wilson” irritiert auch, weil die Leserin im ersten Satz gesiezt wird (wie in den meisten deutschsprachigen Werbetexten üblich). “Das richtige Equipment macht den Unterschied” überzeugt mich auch überhaupt nicht.

Schade, dass so eine große Firma übersetzungstechnisch nichts Besseres hinkriegt. Die echte Nummer 1 würde sich anders lesen. Aber immerhin ist der Schläger toll.

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Begin to 2010

Begin to 2010
Montag, Juni 28th, 2010

Äußerst rätselhaft präsentieren sich die offiziellen Fan-T-Shirts der koreanischen (südkoreanischen, wohlgemerkt) Nationalmannschaft. “Begin to 2010″? Keine Ahnung, was das heißen soll. 2010 starten wir durch? It all begins in 2010? Countdown to 2010? Sonstwas?

So oder so war im Achtelfinale gegen Uruguay Endstation, sprachliches Eigentor hin oder her. Den Spielern wird’s herzlich egal sein.

Vielen Dank auch diesmal an FJS und dessen ergiebigen Fundus!

Englisches Eigentor in Salzburg

Englisches Eigentor in Salzburg
Freitag, Mai 21st, 2010

Schlechte Übersetzungen sind in erster Linie peinlich. Besonders peinlich sind sie bei einer Einrichtung, die mit “native English speakers” wirbt – so wie bei diesem englischsprachigen Kindergarten in Salzburg namens “English Play Corner”. Der Flyer, der meiner Schwester in Salzburg in die Hand gedrückt wurde, enthält relativ wenig Text, dafür aber umso mehr richtig grausame Fehler. Hier wurde Wort für Wort aus dem Deutschen übersetzt – von Leuten, die weder Englisch noch übersetzen können bzw. nicht mal die Basics der englischen Grammatik beherrschen. Highlight: “through small number’s [sic] in each group, we are able to offer a high standard of individual care.” Das ist deutscher Stil, deutscher Satzbau, gespickt mit willkürlich ausgewählten englischen Vokabeln. Grauenhaft.

Bleibt nur zu hoffen, dass den armen Kleinen dann vor Ort etwas anderes als dieser Kauderwelsch beigebracht wird. Ansonsten sehe ich schon die nächste Generation von “Everybody can English”-SprecherInnen heranwachsen.

Lieber mein Prinz

Lieber mein Prinz
Sonntag, April 11th, 2010

Die Syntax kann wirklich ein schwieriges Unterfangen sein – oft besteht eine 50-50-Chance, sie richtig hinzubekommen. Hier wurde leider die falsche Möglichkeit gewählt. Anstatt dem richtigen “My dear prince/princess” prangt auf dieser Valentinstag-Verpackung (für den koreanischen “white day”) das unvergleichliche “Dear my prince/princess”.

Gesehen von FJS bei “Tous Les Jours”, einer großen Bäckerei- und Patisserie-Kette in Korea.

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Wenn der Kurs zur Klasse wird

Wenn der Kurs zur Klasse wird
Donnerstag, April 8th, 2010

Ein sehr schönes Beispiel für eine misslungene Englisch-Deutsch-Übersetzung habe ich kürzlich in der Tageszeitung “Die Presse” gefunden, was wieder mal beweist, dass mitnichten “eh jede/r” vom Englischen ins Deutsche übersetzen kann. Es handelt sich um ein ursprünglich auf Englisch durchgeführtes Interview mit einem Amerikaner, der im arabischen Raum als Schüler Koranschulen besucht hat. Dauernd ist im Interview von “Klassen” die Rede: “In einigen Schulen gab es Klassen um acht” oder “kann man dort den ganzen Tag Klassen besuchen” usw.

Ganz klar eine schiefe Übersetzung von “classes”, was in diesem Kontext “Kurse” oder “Lehreinheiten” oder so sind. Eine Klasse ist im Deutschen im organisatorischen Sinne ein Schulgrad (”Sie geht in die 2. Klasse Gymnasium”) oder eine Einheit von Schülerinnen und Schüler: “Die Klasse 1C hat ihr Klassenzimmer vorne rechts”.

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