Das Wiener Wadenschnitzel

Das Wiener Wadenschnitzel
24.02.2010 von Dagmar Jenner

Die Übersetzung von Fleischsorten bereitet immer wieder Probleme – das liegt daran, dass im Englischen das Fleisch meistens anders heißt als das Tier, von dem es stammt, also etwa das pig oder hog liefert das Fleisch pork. Beim Kalbfleisch verhält es sich folgendermaßen: Kalb heißt calf und meint das Junge von diversen Tieren, besonders von der Kuh, aber etwa auch vom Hirschen und vom Elefanten. Wird ein Junges (meistens von der Kuh) aber zum Verzehr aufgezogen (so hässlich das jetzt klingt), heißt es auf Englisch veal oder auch vealer. Und das Fleisch davon heißt veal. Wird also fälschlicherweise calf für Kalbfleisch verwendet, kommt erschwerend hinzu, dass bei der Rückübersetzung dann Wadenschnitzel rauskommen kann, weil calf im anatomischen Sinne Wade bedeutet. Hier sieht frau wieder mal sehr schön, wie viel Fehlerpotenzial ein einziges Wort bietet.

Gesehen von Susanne Lenhart in Wien. Zum Vergrößern wie immer klicken.

Warum nicht? Die “Lehrmittelstelle” wird zum “shop”

Warum nicht? Die “Lehrmittelstelle” wird zum “shop”
23.02.2010 von Dagmar Jenner

Weil es so schön ist, gibt’s heute wieder ein Positivbeispiel. Im Hauptgebäude der Uni Wien am Ring gibt es ein kleines Geschäft, in dem frau hauptsächlich Schreibutensilien und ein paar Uni-Wien-T-Shirts kaufen kann und dazu die Dissertation vervielfältigen und binden lassen kann. In schönstem Amtsdeutsch heißt dieser Laden “Lehrmittelstelle”, was erstens in meinen Augen ein sehr dämliches Wort ist und zweitens inhaltlich nicht passt, weil es dort mitnichten Lehrbücher oder sonstiges Lehrmaterial zu kaufen gibt.

Wer auch immer dieses mühsame Schild ins Englische übersetzen musste, hat es sich leicht gemacht und “shop” hingeschrieben. Das trifft es inhaltlich und ich finde diese Lösung voll OK. An amerikanischen Unis heißen solche Geschäfte übrigens “bookstores”, wobei dort aber tatsächlich Lehrbücher, dutzende Artikel mit den Uni-Logo und Schreibmaterial verkauft werden.

Kostenlose Zimmer: ein Klassiker

Kostenlose Zimmer: ein Klassiker
22.02.2010 von Dagmar Jenner

Bevor die Leutchen der Pension Ani in der Wiener Kinderspitalgasse gestürmt werden, gleich mal eine Entwarnung: Bei den “kostenlosen Zimmern” handelt es sich um einen Klassiker der Deutsch-Englisch-Übelsetzung. “Free” hat eine Menge Bedeutungen im Englischen (mein Wörterbuch listet 35 auf), aber in Kombination mit “room” würde es eben “kostenloses Zimmer” heißen. Vermutlich nicht ganz im Sinne der Betreiberin. Die Zimmer sind zwar vergleichsweise günstig, aber keineswegs gratis.

Wer sich aber durch die Website www.freerooms.at klickt, den wundert gar nichts mehr …

Die gängige Formulierung, etwa auf Schildern vor Hotels, lautet übrigens “rooms available”.

Zum Vergrößern wie immer klicken.

Positivbeispiel aus der Therme Loipersdorf

Positivbeispiel aus der Therme Loipersdorf
21.02.2010 von Dagmar Jenner

Ja, die Welt ist voller schlechter Übersetzungen! Allerdings bemühen sich professionelle Übersetzerinnen wie ich selbst stets darum, diese Welt auch mit gelungenen Übersetzungen zu bevölkern. Deshalb poste ich heute mal ein Positivbeispiel, mit Sicherheit von einer professionellen Kollegin erdacht.

Als mein Blick in der Therme Loipersdorf auf ein Schild mit der Aufschrift “Textilbereich” fiel, verstand ich einfach nur Bahnhof. Ist das hier nun eine Therme oder ein Textilien-Laden?, fragte ich mich. Dann aber sah ich die englische Übersetzung: “swimsuit area” stand da – wodurch mir klar wurde, dass im “Textilbereich” Badekleidung getragen werden muss. Ist das nicht ein schönes Beispiel, wie die Übersetzung beim Verständnis des ursprünglichen Textes behilflich sein kann?

Der Rock’n’ Roll der Süßspeisen in Bratislava

Der Rock’n’ Roll der Süßspeisen in Bratislava
20.02.2010 von Dagmar Jenner

Das Problem bei der Übersetzung von Speisekarten ist, dass oft regionale Spezialitäten, für die es keine Entsprechung in anderen Sprachen gibt, so in die andere Sprache übertragen werden sollen, dass sie zumindest beim Gast Appetit dafür erwecken. Genau das ist bei “Kartoffelnteigplatschinke”, abgesehen von den lustigen fehlenden Buchstaben, nicht gelungen. Ein Palatschinken ist in meinem Verständnis was Süßes – wie passt das also mit Kartoffelteig zusammen? Das Ganze klingt also leider alles andere als appetitlich. Wer mutig ist, bestellt das Gericht trotzdem.

Der darüber stehende “Eingelegte Enzian” ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhang von Sprache und Kultur. Ad hoc fragt sich die Besucherin, ob der Enzian nicht auch in der Slowakei unter Naturschutz steht. Nach Rücksprache mit einer Freundin stellt sich heraus, dass Enzian die Marke eines sehr bekannten Schimmelkäses ist, der auf eine bestimmte Art zubereitet wird, nämlich eingelegt. Hier gibt es also mitnichten illegalerweise seltene Blumen zu essen, sondern Käse (was zumindest im Englischen, aber nicht im Deutschen erklärt wird). In diesem Sinne: guten Appetit!

Herzlichen Dank für diesen Beitrag an Franziska Riedler, in deren Ohren erstere Übersetzung wie der “Rock ‘n’ Roll der Süßspeisen” klang.


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