Die wohl schlechteste Dolmetschung der Welt
Normalerweise widmet sich diese Website schlechten Übersetzungen, also der schriftlichen Form. Bekanntlich ist Dolmetschen “die andere Seite der Medaille”, also die mündliche Übertragung von einer Sprache in die andere. Heute bekam ich über UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, diesen Link einer grandios schlechten Dolmetschung zugeschickt. Ich möchte euch das natürlich nicht vorenthalten.
Es geht um einen Preis, der posthum an Michael Jackson in der Semperoper in Dresden verliehen wurde. Seine Schwester La Toya nimmt ihn im Namen ihres Bruders entgegen und spricht ein paar einfache Sätze. Der Mann, der das dolmetschen musste (oder wollte?), hat ganz klar vom Dolmetschen keine Ahnung, was sicher auch denjenigen auffallen wird, die mit dieser Profession nichts am Hut haben. Er übersetzt immer nur ein paar Satzfetzen, sagt nie ganze Sätze, versteht gewisse Sachen völlig falsch. Eine richtige Blamage. Aber warum sollte sich die Semperoper auch Profis fürs Dolmetschen leisten? Wahrscheinlich war nach den Sicherheitskräften für La Toya Jackson kein Geld mehr übrig und man dachte sich: Herr XY kann eh Englisch! Nehmen wir den!



Februar 1st, 2010 at 10:55
Und so läuft das leider oft. Englisch-Dolmetscher? Braucht man doch nicht. Englisch kann doch jeder. Und dafür auch noch Geld ausgeben? Das waren doch nur zehn Minuten, kann doch nicht so schwierig sein. Neee, da nehmen wir das günstigste Angebot, wozu Geld verschwenden. Und so werden unqualifizierte Leute angeheuert und blamieren sich bis auf die Knochen.
Leider blamieren sie sich nicht nur persönlich sondern bringen den gesamten Berufsstand der Dolmetscher und Übersetzer innerhalb von 10 Minuten in Misskredit und zerstören die jahrelangen Bemühungen um Qualitätssicherung.
Februar 1st, 2010 at 15:26
Ja, das Ganze ist leider ein Jammer. Die Vertreterinnen von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, haben am Wochenende mit den Vertreterinnen des deutschen Verbandes gesprochen. Leider möchten Letztere in dieser Angelegenheit nicht aktiv werden. Vielmehr möchten sie lieber anhand positiver Dolmetsch-Leistungen die Werbetrommel für das Berufsbild Dolmetschen/Übersetzen rühren. Das Problem: Positive Ereignisse kommen selten in die Medien.
Übrigens hat eine Kollegin das deutsche Fernsehen kontaktiert und erfahren, dass die gesamte Veranstaltung in Eigenregie vom “Servicebüro Semperopernball” geplant und umgesetzt wurde. Das Fernsehen (hier MDR) ist diesmal also nicht schuld.